Mats und Andreas bei der Recklinghäuser Schachwoche
Vom 17. bis 23. August stand das Pfarrheim St. Gertrudis wieder ganz im Zeichen der Recklinghäuser Schachwoche. Mit 79 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war das traditionsreiche Turnier erneut gut besucht. Das Feld bot dabei die ganze Bandbreite des Schachsports: Mehrere Titelträger waren ebenso am Start wie Hobbyspieler und Anfänger, Jung und Alt saßen gemeinsam an den Brettern. Kurz gesagt: ein Turnier für jedermann und jederfrau – und eines, bei dem die Waltroper traditionell gerne mitspielen.
Auch abseits der Bretter passte wieder alles. Schiedsrichter Franz Schulze Bisping leitete das Turnier in seiner gewohnt souveränen und erfahrenen Art. Für die angenehme Turnieratmosphäre sorgten außerdem die vielen Helfer des Recklinghäuser Schachvereins. Organisation und Verpflegung klappten hervorragend. Dafür an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön!
In diesem Jahr war der SV Waltrop mit Mats Becker und Andreas Winterberg vertreten. Dass die Waltroper Delegation etwas kleiner ausfiel als gewohnt, hatte einen guten Grund: Zeitgleich fand das Dortmunder Sommerschach statt, bei dem fünf weitere Waltroper antraten.
Mats mit starkem Auftritt

Mats kann mit seinem Abschneiden sehr zufrieden sein. Der 17-Jährige traf im Turnier durchgängig auf nominell stärkere Gegner. Das Highlight war sicherlich gleich zum Auftakt sein Sieg gegen den starken Edgar Ribbeheger (1973), den Mats mit einer schönen Endspieltaktik für sich entscheiden konnte.
Andreas, selbst ehemaliger Jugendleiter des SV Waltrop, freute sich, mit Mats einen ambitionierten Nachwuchsspieler als Mitstreiter dabeizuhaben. Besonders gefiel ihm dessen Spielweise: keine Angst vor starken Gegnern, der Wille, auf Sieg zu spielen, flexible und kreative Eröffnungen, taktisches Verständnis und eine gute Zeiteinteilung.
Natürlich passte noch nicht immer alles zusammen – aber genau dafür sind solche Turniere da. Andreas’ Fazit als ehemaliger Jugendleiter fällt deshalb eindeutig aus: „Der Verein wird noch viel Spaß mit Mats haben.“
Turnierverlauf
| Rd. | Gegner | Elo | Verein | Farbe | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Edgar Ribbeheger | 1973 | Sodingen/Castrop | Weiß | 1 |
| 2 | Noah Wolfer | 2006 | Menden | Schwarz | 0 |
| 3 | Alan Abdo | 1924 | Freibauer Esslingen | Weiß | ½ |
| 4 | René Albersmann | 1936 | Südlohn | Schwarz | 0 |
| 5 | M-Tarek Kasheet | 1685 | Datteln | Weiß | 0 |
| 6 | nicht ausgelost | – | – | – | ½ |
| 7 | Udo Teich | 1881 | Welper | Schwarz | ½ |
| Gesamt | 2,5 Punkte · Rang 58 |
Andreas mit Top-Ten-Platz

Für Andreas war die Schachwoche vor allem eine Standortbestimmung vor der kommenden Saison in der NRW-Klasse. Dort wartet am zweiten Brett regelmäßig starke Gegnerschaft.
Mit dem Ergebnis war Andreas insgesamt zufrieden – zumal die Vorbereitung in den vergangenen Wochen hauptsächlich aus etwas Taktiktraining sowie Blitz- und Rapidpartien bestanden hatte. Das Weiß-Repertoire funktionierte gut. Positiv war für ihn auch die Entwicklung der eigenen Spielweise: Im Vergleich zu früher spielt er konsequenter auf Sieg, mit weniger Sicherheitsdenken und mehr Aggressivität.
Hausaufgaben gibt es trotzdem. Vor allem das Schwarz-Repertoire und die Zeiteinteilung stehen auf der Liste. Zu lange Berechnungen im Mittelspiel kosteten teilweise unnötig Bedenkzeit. In Runde vier gegen Klaudio Kolakovic wurde das zum Verhängnis: In einem eigentlich ausgeglichenen Endspiel war bereits viel Zeit verbraucht, bevor ein grober Fehler die Partie entschied.
In der letzten Runde machte sich zudem die Müdigkeit bemerkbar. Gegen FM Thomas Michalczak geriet Andreas mit Schwarz zunächst in der Eröffnung unter Druck, konnte das Blatt später wenden und bekam sogar Gewinnchancen. Statt diese zu nutzen, wurden brav die Damen getauscht und die Stellung verflachte.
Ob die Müdigkeit mit 33 Jahren schon eine Altersfrage ist, darf mit einem Augenzwinkern diskutiert werden. Ein Blick auf das Siegerpodest liefert jedenfalls Argumente für die Jugend: Turniersieger wurde FM Tom Rebentisch mit 6 Punkten vor FM Simon Knudsen und FM Kemal Bashirov mit jeweils 5,5 Punkten. Mit 33 hätte man es auf diesem Siegerpodest jedenfalls schon zum Alterspräsidenten gebracht.
Unter dem Strich gibt es wenig Grund zur Klage: 5 Punkte aus 7 Partien und Rang 9 in diesem starken Feld sind als Standortbestimmung vor der NRW-Klasse völlig in Ordnung.
Turnierverlauf
| Rd. | Gegner | Elo | Verein | Farbe | Ergebnis |
| 1 | Irfan Akyildiz | 1745 | Datteln | Weiß | 1 |
| 2 | Christian Meyer-Lehnert | 1918 | Rüttenscheid | Schwarz | ½ |
| 3 | René Albersmann | 1936 | Südlohn | Weiß | 1 |
| 4 | Klaudio Kolakovic | 2065 | Südlohn | Schwarz | 0 |
| 5 | Roland Michalicek | 1947 | Haltern | Schwarz | 1 |
| 6 | Dirk Küsters | 1922 | Brackwede | Weiß | 1 |
| 7 | FM Thomas Michalczak | 2215 | Südlohn | Schwarz | ½ |
| Gesamt | 5 Punkte · Rang 9 |
Nächstes Jahr gerne mit mehr Waltropern!
Zwei Waltroper waren angesichts der Überschneidung mit dem Dortmunder Sommerschach verständlich – im nächsten Jahr dürfen es gerne wieder mehr sein. Die Recklinghäuser Schachwoche bietet für nahezu jede Spielstärke passende Gegner, eine angenehme Atmosphäre und liegt für uns Waltroper praktisch vor der Haustür.
Aufgaben aus dem Turnier
Zum Abschluss gibt es noch etwas zum Knobeln: einige interessante Stellungen aus den Partien von Mats und Andreas.
Becker – Ribbeheger (Weiß am Zug)

Warum war Lc1 keine gute Idee?
Meyer-Lehnert – Winterberg (Schwarz am Zug)

Die schwarze Stellung ist natürlich pleite. Trotzdem endete die Partie nach zwei Zügen mit Remis. Welche böse Falle konnte Schwarz hier noch stellen?
Winterberg – Albersmann (Weiß am Zug)

Hier führen natürlich mehrere Züge zum Sieg. Was ist der klarste Ausschalter?
Michalicek – Winterberg (Schwarz am Zug)

Wie kann Schwarz die weißen Schwächen ausnutzen? Der erste Zug liegt auf der Hand – aber wie geht es danach weiter?


